Die Rinderarbeit Die Teildisziplin Rinderarbeit in der Working Equitation

Die Rinderarbeit ist das Herzstück der Working Equitation. Ohne die Zucht von Rindern in den südeuropäischen Ländern im teils rauen Gelände hätte sich nirgends eine Arbeitsreitweise entwickelt. Nur durch die Aufgaben der Pferde in der Landwirtschaft - besonders in Spanien, Frankreich und Italien - hat sich diese wunderbare Arbeit zu Pferde entwickelt.

Zu Recht sind die einzelnen Länder stolz auf ihre Traditionen und das Erbe der Reitkunst, welches sich in jedem dieser Länder entwickelt hat. Der Stolz auf ihre Reitweise, ihre Pferde und Rinder ist unverkennbar. Umso schöner ist es, dass die einzelnen Länder diese noch heute in Form der jungen Reitsportdisziplin Working Equitation präsentieren und weitergeben.

Teamwork in der Rinderarbeit

Rinderarbeit ist Teamwork

In der internationalen Rinderarbeit der Working Equitation ist Teamwork angesagt. Damit sind weniger die Rinder gemeint, als die Pferd-Reiter Paare. In der Teildisziplin Rinderarbeit nach internationalem Vorbild muss ein zugelostes Rind von einem Reiter aus der Herde separiert und in einen Corral getrieben werden.

Sobald der Reiter das Rind aus der Herde separiert und über eine vorgeschriebene Linie getrieben hat, dürfen 3 weiteren Pferd-Reiter-Paare als Helfer beim Treiben des Rindes und Kontrollieren der restlichen Herde unterstützen. Nur das ausgeloste Rind soll sich von der Herde trennen und als einziges über die Linie laufen. Am Ende geht es darum, welches Team die meisten Rinder in der schnellsten Zeit aussortieren und in den Corral treiben konnte.

Wie funktioniert Rinderarbeit?

Ein Reiter in einer Rinderherde

Nach dem deutschen Reglement der Working Equitation wird die Rinderarbeit als Einzeldisiplin ausgeführt. Das Pferde-Reiter-Paar arbeitet also ohne Helfer mit der Rinderherde. Dem Reiter wird durch das Zufallsprinzip eine Kuh zugeteilt, die er aus der Herde separiert.

Die Rinder tragen nummerierte Halsbänder oder haben Farbmakierungen, sodass der Reiter seine Kuh in der Herde identifizieren kann. Zu Beginn in der Klasse L besteht die Aufgabe darin, die ausgewählte Kuh ruhig von der Herde zu separieren und über eine vorgegebenen Grundlinie zu treiben. Die Kunst besteht darin, so konzentriert und ruhig zu arbeiten, dass nur diese Kuh über die Linie getrieben wird und die restliche Herde ruhig hinter der Linie stehen bleibt.

Königsdisziplin Rinderarbeit

Ein Reiter hat sein Rind in den Coral getrieben

Nicht ohne Grund nennt man die Rinderarbeit in der Working Equitation auch die Königsdisziplin. In den höheren Klassen steigern sich die Anforderungen soweit, dass ein ausgewähltes Rind nicht nur von der Herde separiert und über die Grundlinie getrieben werden muss.

Der Reiter muss in der Klasse M sein Rind über eine größere Distanz von der Herde trennen und es über eine zweite Linie - die Corall-Linie treiben. In der Masterclass muss der Reiter zeigen, dass er sein Rind bis in einen Corral am anderen Ende des Reitplatzes treiben kann. In beiden Fällen muss er ruhig und geschickt vorgehen, dass die restliche Herde an ihrem Urspurngsort bleibt.

Am Ende zählt auch hier die beste Zeit. Sie ist jedoch nur durch ruhiges, konzentriertes und gekonntes Reiten, Verstand für das Verhalten der Rinder sowie einem Fünkchen Glück bei der Loswahl der Kuh zu erreichen ist.

Gedanken zum Tierschutz

Eine Herde junger Rinder

Das deutsche Turnierreglement hat sich in Bezug auf die Rinderarbeit in den letzten Jahren start weiterentwickelt und verändert. Hintergrund dafür ist der Tierschutzgedanke. Das Ziel dahinter ist es, eine ruhige und für die Rinder möglichst stressfreie Rinderarbeit zu fördern und zu verbreiten.

Die internationale Rinderarbeit als Teamdisziplin ermöglicht eine häufig sehr viel dynamischer Arbeit an den Rindern. Um zu vermeiden, dass mit zu viel Tempo und Druck geritten wird, wird diese Teildisziplin in Deutschland mitlerweile als Einzeldisziplin geritten. Denn nicht zuletzt spiegelt ein ruhiges und sicheres Arbeiten des Reiter–Pferd-Paares die Idee der traditionellen Arbeitsreitweise am besten wieder und ist nicht selten gleichzeitig das beste Indiz für eine gute Zeit.

Was ist ein Rinderschein?

Ein Reiter treibt ein Rind in den Coral

Als Grundvoraussetzung für die Teilnahme an der Teildisziplin Rinderarbeit auf einem Working Equitation Turnier ist der Besitz eines Rinderscheins. Damit wird sichergestellt, dass Pferd und Reiter das Grundwissen um die Bedürfnisse und das Verhalten der Rinder besitzen und die reiterlichen Voraussetzungen für die Rinderarbeit mitbringen.

Einen Rinderschein kann der Reiter mit seinem Pferd auf einem Rinderkurs bei einem vom WED.eV. zertifizierten Rindertrainer machen. Dabei wird das theoretische Wissen über das richtige Setteln einer Rinderherde und das Verhalten der Rinder vermittelt. Der Reiter lernt die notwendigen Grundmaöver mit seinem Pferd und muss sie als Einzelreiter an einer Rinderherde demonstrieren. Dabei muss er zum Bestehen 2 Rinder einzeln separieren und über eine vorgegebene Linie treiben.

Der Rinderschein stellt jedoch nur die minimale Grundvoraussetzung dar. Pferd und Reiter trainieren die Rinderarbeit, ebenso wie die anderen Teilsdisziplinen Dressur, Stil- und Speedtrail. Das Ziel ist eine perfekte Teamarbeit von Pferd und Reiter, die eine konzentrierte und geschickte Rinderarbeit in Bestzeit ermöglichen.

Weltmeister in der Rinderarbeit

Deutsches Team Working Equitation Weltmeister 2018

In den letzten 10 Jahren ist die Working Equitation in Deutschland zu einer jungen Trend-Reitsportdisziplin geworden. Immer mehr Fans und Reiter haben Spaß an der anspruchsvollen Ausbildung und den vielfältigen Herausforderungen dieser Disziplin gefunden.

Besonders stolz sind wir auf die deutschen Working Equtitation Reiter, die seit vielen Jahren auf den Europameisterschaften und Weltmeisterschaften ihr Können in der Königsdisziplin dieser Reitweise gezeigt haben. Das deutsche Team ist auf der Weltmeisterschaft 2014 in Wien, der Europameisterschaft 2016 und Weltmeisterschaft 2018 in Folge Team-Weltmeister in der Rinderarbeit geworden.

Es ist toll zu verfolgen, wie die Working Equitation hierzulande nicht nur als spaßige Turnierdisziplin angesehen wird. Mit der Rinderarbeit schlägt das Herz und der Ursprung der Working Equitation mitlerweile auch in diesem Lande.